Radpolo
Obere Reihe rechts: RC-Wendelstein 1 Carolin Weber , Svenja Heim
Radpolo: Erste Damenmannschaft des Radler Club Wendelstein 1913 e.V. feiert bisher
größten Erfolg in der Vereinsgeschichte !
Die von der Süddeutschen Meisterin Elfriede Schmidt Mitte der 90er`Jahre wiederbelebte Radpolo Riege des RC Wendelstein hat sich seit dem Einzug des Teams Andrea van Stiphoudt/Doris Weber in die 2.Bundesliga Süd im Jahr 2001 zu einer der Deutschlandweit größten Polo Abteilungen im Bund Deutscher Radfahrer (BDR) entwickelt.
Rund 20 Aktive gehen mittlerweile bis zu drei mal pro Woche in der Vereinseigenen Halle mit Spezialrad und Polostock auf Jagd nach Punkten und Toren. Aktuell ist der Verein im Frauenbereich mit zwei Elite Teams in der 2.Bundesliga Süd und einer Juniorinnenmannschaft in der Hessenliga vertreten.
Bei der Austragung des diesjährigen Deutschlandpokals traten diese Elite Teams beim Viertelfinale in der gleichen Gruppe an. Für RCW I mit Svenja Heim und Carolin Weber war der Weg ins Halbfinale eine leicht lösbare Aufgabe während RCW II mit Linda Schmidt und Sonja Levat als neueste Teilnehmerinnen mit der Spielerfahrung der Gegnerinnen noch nicht mithalten konnten. Trotz guten Spielzügen wollte hier kein Sieg gelingen – noch nicht !
Im Halbfinale war also nur noch eine Bayerische Vertretung dabei. Die 5 Gruppengegner, mit dem frischgebackenen Deutschen Meister Frellstedt 1(Niedersachsen) und dem Fizemeister Etelsen (Bremen) sowie der gleichfalls in der 1.Liga spielenden Vertretungen von Kostheim (Hessen) und Frellstedt 2 ( NDS ) schien das sichere Aus für die Wendelsteiner Mädels zu werden. Da mit RSG Ginsheim nur noch ein weiterer Zweitligist beteiligt war, wäre dies auch keine Schande gewesen. Doch weit gefehlt. Die Fränkinnen ließen mit ihrer extrem schnellen und spielfreudigen Art gleich zu Beginn des Turniers die beiden besten Deutschen Teams tatsächlich alt aussehen. Breit war die Palette der vorgeführten Angriffsvarianten und auch die selten in der Bundesliga angewandten Rückwärtshochschüsse, Tretlagerflachschüsse und die aus dem Hardcourtpolo abgeschauten seitlichen Schlagschüsse wurden auf Wendelsteiner Seite ausgiebig gezeigt. Dem Deutschen Meister hätte man damit beinahe in den letzten Spielsekunden beim 8:7 ein Unentschieden abgerungen und der Fizemeister hatte ebenfalls erheblichste Mühe gegen die jungen Wilden. Überraschte Gesichter beim Fachkundigen Publikum und großes Lob der Gegnerschaft und selbstverständlich bei den mitgereisten Wendelsteiner Fans. Punkte wurden mit einem 5:4 Sieg gegen Erstligist Kostheim und einem 5:0 gegen Ginsheim eingefahren. Nach Beendigung der Spiele waren Wendelstein,Frellstedt 2 und Ginsheim 1 Punktgleich. Das deutlich beste Torverhältnis dieses Trios hatten die Bayern auf ihrer Seite, was Platz 3. Für Heim/Weber bedeutete. Die Finalteilnahme wurde erreicht – Der RC Wendelstein ist in die Runde der besten sechs Teams gelangt !
Sensationell: Als einzigster Zweitligist im Finale
Zur Finalrunde reiste der südlichste Deutsche Polo Verein zum nördlichsten, nach Etelsen beiBremen.
Bereits während des Aufbaus der Trainingsflächen waren die RC Spielerinnen mit Trainingsaufgaben durch Trainer Jürgen Diebel beschäftigt worden um die aufkeimende Nervosität so gering wie möglich zu halten. Niemand in der Sporthalle hatte etwas anderes als den 6. und damit letzten Platz für Wendelstein eingeplant – nur der Trainer war vorab eine Wette sogar für Platz 4. eingegangen. In den Vorbesprechungen wurde eine Verteidigende Spielweise kategorisch abgelehnt. Der Plan war, mit eigenem hohen spielerischen Tempo die Gegner von Beginn an in die Defensive zu drängen.
Eine hohe Zahl an Chancen erarbeiteten sich die Wendelsteinerinnen beim sicheren 3:3 gegen Seeheim und beim 5:5 gegen Reideburg. Sehr gute Leistungen zeigte man aber auch bei den knappen Niederlagen gegen die Deutschen Meister Frellstedt ( 4:6 ) und dem Fizemeister Etelsen ( 6:8 ). Gegen Etelsen ging man gleich zu Beginn in Führung und hielt diese auch bis 1 Minute 40 vor Spielende – beim Stande von 6:6 gab der Favorit aber nochmals richtig Gas und sicherte sich clever noch zwei Tore.
Die RCW Spielerinnen hatten es jetzt selbst in der Hand, denn mit einemSieg mit drei Toren Differenz war plötzlich sogar Platz 3. möglich. Konzentriert nahmen sich die jungen Spielerinnen dieser Aufgabe gegen Frellstedt 3 an. Zur Halbzeit führte man „nur“ mit 3:2 Toren. Dann gab es ernste aber beruhigende Gespräche mit den beiden Betreuern, denn der Sieg musste einfach eingefahren werden! Die Spielerinnen waren zu diesem Zeitpunkt absichtlich noch nicht über den möglichen dritten Platz informiert worden. Durch nun höchstes Spieltempo zogen sich die Gegnerinnen verteidigend in ihre eigene Hälfte zurück, was Wendelstein gekonnt ausnutzte. Das Frellstedter Tor wurde stetig mit einem Trommelfeuer von beiden Spielerinnen belegt. Torfrau Svenja Heim setzte sich stark in Szene und erzielte drei Rückwärtshoch Tore. Die weiter ausgebaute Führung wurde noch durch zwei von Carolin Weber sicher verwandelten 4m Strafstößen zum 8:2 Endstand gefestigt. Eine ehrlich erarbeitete Platzierung und der bisher größte Erfolg einer Wendelsteiner Polomannschaft !
Platz 1. und 2. musste wegen Punktegleichstand zwischen Etelsen und Frellstedt 1 nach Verlängerung tatsächlich mit einem Strafstoßschießen entschieden werden. Hier setzte sich Frellstedt mit 5:4 Toren durch.
Finaltabelle Deutschlandpokal 2011
1. RSV Frellstedt I 16 Punkte 38:23 Tore
2. Etelsen 13 Punkte 44:27 Tore
3. RC Wendelstein 5 Punkte / 26:24 Tore
4. Seeheim 5 Punkte / 20:23 Tore
5. Reideburger SV 5 Punkte / 16:30 Tore
6. RSV Frestdt III 1 Punkt / 11:28 Tore